Hotelier, Februar 2007
Die Hotelkooperation Swiss Historic Hotels verzeichnet hohe Zuwachsraten.

Historische Hotels als Kulturgüter fördern

Ursula Wulfsen-Dütschler

Die junge Hotelvereinigung Swiss Historic Hotels befindet sich im Umbruch. Seit Anfang Jahr ist Schweiz Tourismus für die Vermarktung der 33 Hotels zuständig. Geschäftsführerin Barbara Zaugg sieht darin eine Riesenchance, um mehr Logiernächte zu generieren und den Bekanntheitsgrad zu steigern.

«Unsere Hotelkooperation ist speziell: Man wird nicht historisches Hotel, man ist historisches Hotel», sagt Barbara Zaugg (44), Geschäftsführerin der Hotelvereinigung Swiss Historic Hotels. Damit umschreibt sie nicht nur die hohen Anforderungen, die an ein neues Mitgliedhotel gestellt werden, sondern macht klar, dass der historische Hintergrund des Gebäudes, die aktive Pflege der Geschichte und die gelebte Kultur im Vordergrund stehen müssen. «Eine historische Hülle mit einem modernen Interieur reicht nicht für eine Mitgliedschaft, der Betrieb muss ein kulturelles Gesamterlebnis bieten können.»

MARKETING AUSLAGERN

Trotz diesen strikten Grundsätzen verzeichnet die Kooperation, die 2004 gegründet wurde, eine hohe Zuwachsrate. Gestartet mit acht Hotels, waren ein Jahr später bereits 20 Betriebe Mitglieder. Im letzten Jahr erlebte die Kooperation einen Boom, zehn neue Betriebe wurden aufgenommen und Anfang 2007 startete die Vereinigung mit 33 Hotels.

Diese grosse Nachfrage hat einen Grund. Die Verantwortlichen hatten sich entschieden, ab 2007 das Marketing auszulagern. Im Frühling 2006 kündete die Kooperation die Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus (ST) an und stellte in Workshops die neuen Möglichkeiten für die Hoteliers vor. «Wir merkten, dass wir mit unserem Budget nicht genügend Marketing machen können und suchten nach einem Partner, der mit mehr finanziellen Mitteln Aktionen und Kampagnen durchführen konnte», sagt die Geschäftsführerin.

Zuvor war der Mitbegründer der Kooperation, Peter Kühler, mit seiner Firma MarkeTeam für die Vermarktung zuständig. Er wollte jedoch kürzer treten, wonach die Verantwortlichen eine neue Lösung suchen mussten. Schweiz Tourismus verfügt über Erfahrung und das nötige Wissen mit der Vermarktung von Hotels, da sie bereits für die Vereinigungen Kids Hotels und Swiss Golf Hotels verantwortlich ist.


GASTHOF UND LUXUSHOTEL VEREINT

Martin Küttel, Direktor im Jugendstil Hotel Paxmontana in Flüeli-Ranft, hatte 2004 die Idee, die historischen Hotels in einer Hotelkooperation zu bündeln. Als Vorteile einer Mitgliedschaft sieht er das professionelle Marketing sowie den Austausch von Know-how und Informationen.

Wie kamen Sie auf die Idee, die historischen Hotels der Schweiz in einer Kooperation zu vereinen?
Martin Küttel: Bestehende Kooperationen vermochten unserem Thema von «historisch-frisch und pfiffig» nicht gerecht zu werden, Neu und einzigartig ist, dass wir vom Landgasthof bis zu Luxushotels eine Themenwelt vereinen können.

Welche Vorteile bietet eine solche Kooperation den Hotels?
Einerseits eine weltweite Verkaufsplattform über die professionelle Marketingorganisation Schweiz Tourismus und andererseits einen In formations- und Knowhow-Austausch unter den Betreibern von historischen Hotels. Dazu gehören auch spezifische Lösungen zu Umbaufragen im historischem Gebäude.

Inwiefern profitiert Ihr Hotel Paxmontana davon?
Wir profitieren von Buchungen über die eigene Internetplattform, den Eintrag in Reiseführer sowie vom erhöhten medialen Interesse.

Worin sehen Sie die Vorteile als Hotelier?
Für mich ist der Erfahrungsaustausch mit unseren Kolleginnen und Kollegen sehr wertvoll. Der unglaublich grosse Erfahrungsschatz, das Gespür für die Gäste und eine besondere Marktnähe zeichnen viele unserer Betriebe aus.

Was erwarten Sie von der neuen Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus?
Viel! Die Idee für das erweiterte Produkt «Zeitreisen» mit den Hotels und weiterer historischer Schaufensterprodukte unter einem Dach stammt von ST-Direktor Jürg Schmid, ich bin überzeugt, wenn diese Welle des Enthusiasmus über das neue Produkt bis ans Ende de' Kommunikation in den Märkten anhält, wird es ein grosser Erfolg werden.

Gibt es noch weitere Ziele?
Wir planen Projekte zur Zusammenarbeit mit der Vereinigung unserer Dachorganisation Historic Hotels of Europe und den Mitgliedern einzelner Ländersektionen. Intern ist es uns ein grosses Anliegen, den Virus und den Enthusiasmus für das Produkt «historisch» mit den Mitgliedern werfe, zu kultivieren. (uw)

Ein grosser Vorteil ist, dass nun die Mitgliedhotels an das gut funktionierende Reservationssystem von ST angeschlossen sind. «Im Moment ist diese Zusammenarbeit die ideale Lösung», ist Barbara Zaugg überzeugt. «Wir geben viel ab, aber gewinnen viel. Es geht um Logiernächte in der Gruppe, und diese können durch die Zusammenarbeit mit ST generiert werden.» Natürlich habe es innerhalb der Kooperation kritische Stimmen gegeben, die der Organisation nicht trauten.

«Wir sind jetzt für drei Jahre verlobt und warten mal ab, wie es sich entwickelt.» Als Koordination zwischen ST und Hotels fungiert die Geschäftsleitung der Hotelkooperation. Bereits an der ITB 2007 Anfang März hat Schweiz Tourismus die gross angelegte Kampagne «Zeitreise» gestartet, in der die Mitgliedhotels im Mittelpunkt stehen. Im Weiteren soll gemeinsam mit «ViaStoria» die Teilstrecke Kandersteg - Wengen - Brienz - Flüeli-Ranft der Route «Via Cook» angeboten werden.

Historische Hotels und Tourismuseinrichtungen sind beliebt. Marktforschungen haben ergeben, dass über 20 % der Schweiz-Reisenden kultur- und naturorientierte Geniesser sind. Die Schweiz eignet sich besonders gut als Ziel, da sich die historischen Schätze in kurzer Distanz zu den Hauptmärkten Deutschland, Grossbritannien, Niederlande und Italien befinden. Die wichtigste Zielgruppe für die Hotelkooperation stellen Schweizer mit einem mittleren bis höheren Einkommen dar. Angesprochen fühlen sich Gäste ab 50 Jahre ebenso wie Junge, die zwischen 25 und 30 Jahre alt sind.

Die Idee, die historischen Hotels gemeinsam zu vermarkten, bildete in 2002 den Grundstein zur Gründung der Kooperation. Initiator Martin Küttel, Direktor im Jugendstil Hotel Paxmontana in Flüeli-Ranft, hatte zusammen mit Claude Buchs vom Hotel Bella Tola in St-Luc die Vision, authentische historische Hotels und Gasthäuser als Kulturgüter zu fördern, vermehrt ins Rampenlicht zu stellen und zu erhalten. Als Geburtshelfer wirkten Vertreter von hotelleriesuisse, GastroSuisse und Partner mit. Von Anfang an in der Geschäftsführung dabei waren Peter Kühler, der für das Marketing zuständig war, die Geschäftsführerin Barbara Zaugg, der Historiker Dieter Pfister sowie der Architektur-Historiker Roland Flückiger-Seiler.

Ausser der Hotelkooperation Swiss Historic Hotels ist auch der «Club Grand Hotel & Palace» am Erhalt historischer Hotelbauten interessiert. Die Vereinigung, die sich als Amicale sieht, will den Namen Grand Hotel bzw. Palace wieder salonfähig machen. Der Club besitzt die grösste Sammlung von historischen Ansichtskarten und Prospekten aller Grand- und Palace Hotels der Schweiz.

Informationen erteilt Direktor H. U. Gubser, Basel.
E-Mail gubser@clubgrandhotelpalace.ch, www.clubgrandhotelpalace.ch

 

STRENGE KRITERIEN

Fachleute sind auch weiterhin zuständig für das Aufnahmeverfahren und die Erhaltung der Qualitätsnormen. Möchte ein Hotel Mitglied werden, muss sich der Direktor oder Besitzer schriftlich bewerben. Die Geschäftsführung der Hotelkooperation nimmt eine Vorprüfung vor und beauftragt, bei einem positiven Entscheid, unabhängige Experten sowie ein Mitglied der Geschäftsführung, eine Analyse zu erstellen. «Es hat objektive und subjektive Kriterien», sagt Barbara Zaugg, die die meisten Hotels zusammen mit einem Denkmalpfleger beurteilt, Zum Beispiel dürfen auf der Terrasse keine Plastikstühle und Reklame-Sonnenschirme stehen, die Blumentöpfe sollten stilvoll sein und die Möbel entweder echt oder modern, aber sicher nicht billige Replikas.

Jedes zehnte Hotels erfüllt die strengen Kriterien nicht und wird abgewiesen. Die Analyse deckt auch kritische Punkte auf, die verändert werden müssen, oder weist den Hotelier auf Schwachstellen hin. ST nimmt nur Hotels in die Kampagne auf, die Mitglied von Swiss Historic Hotels sind.

Aufgrund der geplanten Auslagerung der Marketingaktivitäten wurde Anfang 2006 ein Verein gegründet, der weiterhin die Interessen der Mitglieder vertritt und die Aufnahmeverfahren durchführt. Zudem organisiert der Verein regelmässig Klausuren, in denen die Mitglieder den Austausch und Knowhow Transfer pflegen können. In Zukunft soll eine Datenbank von Lieferanten erstellt werden, die alte Möbel und Materialien oder historische Bauteile herstellen oder liefern können.

ZAHLEN UND FAKTEN SWISS HISTORIC HOTELS

Geschichte: Swiss Historie Hotels entstand In 2004 auf Initiative von Martin Küttel, Direktor im Jugendstil Hotel Paxmontana, Flüeli-Ranft, und mit Unterstutzung von hotelleriesuisse, Icomos Schweiz und weiteren Partnern. Am 1. Januar 2006 hat sich die Kooperation als Verein firmiert.

Zweck: Authentische historische Hotels und Gasthäuser verschiedener Kategorien als Kulturgüter erhalten, ins Rampenlicht stellen und emotional beleben.

Ziel: Profilierung der Swiss Historic Hotels als neue Qualitätsmarke mit authentischen Angeboten, Nachfrage-Steigerung, Verbesserung der Absatzchancen.

Anzahl Mitglieder: 33

Mitgliederbeiträge: Jahresbeiträge für Marketing ST: A-Partner (Vier- und Fünfsterne-Hotels) CHF 8000, B-Partner (Zwei- und Drei Sterne-Hotels) CHF 5000, C-Partner (Einsterne- und nicht klassifizierte Hotels, Landgasthöfe) CHF 3000, Aufnahmegebühr, 50 % des Jahresbeitrages. Jahresbeitrag für Verein 10 % des Marketing-Beitrages.

Aufnahmekriterien:

  • Hotel/Restaurant, das sich in einem historischen Gebäudekomplex befindet. Das Hauptgebäude muss mind. BO Jahre alt und architekturgeschichtlich bedeutend sein.
  • Der Gastbetrieb hat sich etabliert.
  • Gebäude, Räume und Mobiliar, bauen auf historischem Original auf und bewirken eine hohe historische Erlebnisqualität
  • Hohe Qualität der Dienstleistungen

Leistungen:

  • Diverse Verkaufsförderungsmassnahmen (Katalog, Internet, Messen, Direct Mail)
  • Anschluss an Reservierungskanäle von ST
  • öffentlichkeitsarbeit und Pressebetreuung

Kontakt: www.swiss-historic-hotels.ch , info@swiss-historic-hotels.ch

zurück